Kriegsenkel*innen und die Liebe
Warum fällt es vielen Kriegsenkel*innen so schwer, nahe Beziehungen selbstverständlich zu gestalten?
Für viele Kriegsenkel:innen ist „die Sache mit der Liebe“ kein selbstverständlicher Ort von Geborgenheit, sondern ein sensibles Terrain. Nicht wenige erleben sich in Beziehungen als die, die zuhören, mittragen, stabilisieren, während sie selbst kaum vorkommen. Sie geben viel, halten aus, leisten emotional Enormes und spüren dennoch eine Leerstelle in sich.
Manche ziehen sich frühzeitig zurück, andere gehen erst gar keine verbindlichen Beziehungen ein. Wieder andere verharren zu lange in Konstellationen, die ihnen nicht guttun. Oft bleibt das Gefühl: Ich komme nicht wirklich vor.
Welche Erklärungen gibt es dafür?
Die Art und Weise, wie wir heute Beziehungen gestalten, hat viel mit unseren frühen Bindungserfahrungen zu tun, mit der ersten Liebesbeziehung unseres Lebens: der zu unseren Eltern oder zentralen Bezugspersonen.
Kriegsenkel*nnen sind mit Eltern aufgewachsen, die als Kinder selbst durch Krieg und Nationalsozialismus geprägt und häufig traumatisiert wurden. Viele dieser Eltern waren innerlich gebunden an unverarbeitetes Leid, an Verluste, an Schuld und Schamgefühle. Emotional standen sie ihren Kindern daher oft nur eingeschränkt zur Verfügung.
Materielle Versorgung war meist gewährleistet, emotionale Resonanz hingegen fehlte nicht selten. Viele Kriegsenkel*innen übernahmen früh Verantwortung: für die Stimmung im Haus, für das seelische Gleichgewicht der Eltern, für jüngere Geschwister. Sie wurden zu „Eltern ihrer Eltern“.
Wer so aufwächst, lernt schnell: Die Bedürfnisse der anderen sind wichtiger als die eigenen. Anerkennung und Zugehörigkeit scheinen daran geknüpft zu sein, sich anzupassen, zu funktionieren, stark zu sein. Liebenswert ist, wer leistet.
Welche Folgen hat dieses Aufwachsen bei (NS- und kriegs-)traumatisierten Eltern für die Fähigkeit, Nähe zuzulassen?
Wie wirkt sich die früh übernommene Rolle der Parentifizierung auf Partnerschaft und Intimität aus?
Welche Bewältigungsstrategien waren damals überlebenswichtig und stehen heute womöglich echter Begegnung im Weg?
Im Workshop werden wir diesen Fragen nachgehen.
Anhand theoretischer Impulse und persönlicher Selbsterfahrung werden die eigenen Beziehungsmuster verstehbar gemacht: Das Gefühl, individuell versagt zu haben, wird der Einsicht weichen, einstigen biografisch sinnvollen Anpassungsleistungen zu folgen.
An drei Tagen werden wir systematisch die eigene Biografie mit Hilfe meiner biografischen Methode My Life Storyboard durchgehen.
Ziel ist es, die eigenen Prägungen mehr zu verstehen und neue Spielräume in der Gestaltung von Beziehungen, von Nähe und Liebe zu eröffnen.
Termin:
22. – 24. Oktober 2026 (Donnerstag – Samstag)
Zeiten:
- Tag: 09:30 – 18:00 Uhr
- Tag: 09:00 – 17:30 Uhr
- Tag: 09:00 – 17:30 Uhr
Dozent*in
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Meyer-Legrand, IngridSystemische Therapeutin (SG), Systemische Supervisorin (SG)
In freier Praxis in Berlin, Brüssel und online tätig, Systemische Therapeutin (SG), Systemische Supervisorin (SG), Coach, Hypnotherapeutin, Lehrbeauftragte an der EHB – Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit in Berlin. Dipl.-Sozialarbeiterin, Studium der Sozialwissenschaften und Geschichte, Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde; HP Psychotherapie, Europäisches Zertifikat Psychotherapie (ECP), Autorin zahlreicher Fachveröffentlichungen zum Thema Kriegsenkel. Autorin von „Die Kraft der Kriegsenkel“ (2016), „Kriegsenkel: Endlich ankommen! Neue Zukunftsperspektiven durch die Versöhnung mit deiner Geschichte“ (erscheint im Nov. 2024) Europa Verlag.
Leitung
Dr. Birgit Breyer
Datum
- 22. - 24. 10. 2026
Uhrzeit
- 09:30 - 17:30
Kosten
- 380,00 €
Standort
- NIS Hannover
- Leisewitzstraße 26, 30175 Hannover
Dozent*in
-
Meyer-Legrand, IngridSystemische Therapeutin (SG), Systemische Supervisorin (SG)
In freier Praxis in Berlin, Brüssel und online tätig, Systemische Therapeutin (SG), Systemische Supervisorin (SG), Coach, Hypnotherapeutin, Lehrbeauftragte an der EHB – Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit in Berlin. Dipl.-Sozialarbeiterin, Studium der Sozialwissenschaften und Geschichte, Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde; HP Psychotherapie, Europäisches Zertifikat Psychotherapie (ECP), Autorin zahlreicher Fachveröffentlichungen zum Thema Kriegsenkel. Autorin von „Die Kraft der Kriegsenkel“ (2016), „Kriegsenkel: Endlich ankommen! Neue Zukunftsperspektiven durch die Versöhnung mit deiner Geschichte“ (erscheint im Nov. 2024) Europa Verlag.